Eden
| Spieler | Alter | Dauer | Autor | Firma | Glück | Taktik |
| 3-4 | ab 10 | 50-70 | Gal Zuckermann | Kosmos |
Das also soll das ,,Gelobte Land“
sein? Der Spielplan zeigt nichts als dürren, wenig verheißungsvollen
Wüstenboden. Und daraus wird nun, nach dem Willen des Herrn Spieleautoren, ein
blühender Garten Eden erwachsen?! Das riecht nach einem schweren Stück Arbeit.
Und wie man hört, soll das Fruchtbarmachen der Wüste noch nicht einmal das
Schlimmste sein. In der Oasen-lllustrierten liest man nämlich Woche für Woche,
daß wieder mal irgendein armer Wüstenhund ein mühsam bewässertes und mit
reichlich Mana fruchtbar gemachtes Stück Land an einen ebenso aggressiven wie
gierigen Wüstenfuchs hat abtreten müssen. Feindliche Übernahme nennt man so
etwas am Börsenplatz Eden.
Für das Spiel um "Eden" hat sich der israelische Autor Gal Zuckermann einen in
kleine Quadrate unterteilten Spielplan ausgedacht. Die quadratischen Parzellen
auf diesem Plan werden im Laufe des Spiels mit ,,Landschaftskärtchen" abgedeckt.
Diese „Landschaftskärtchen" 9ibt es in vier verschiedenen Spielerfarben und vier
verschiedenen Fruchtbarkeitsstufen (1-4>. - Im übrigen gilt in Eden: ,,Mana" und
nicht ,,money" makes the world go round. Mono existiert in Form von Karten mit
verschiedenen Werten. Neben den Mono-Karten gibt es auch noch einen verdeckten
Kartenstapel, in dem sich Bewässerungskarten und Kultivierungskarten befinden.
Die Bewässerungskarten tragen Koordinaten (z.B. A7 oder G2 etc. ) und dienen
dazu, erst einmal in der Wüste Fuß zu fassen, d.h. ein Landschaftskärtchen auf
ein durch die Koordinaten bezeichnetes Feld legen zu dürfen. Die
Kultivierungskarten können nur eingesetzt werden, um bereits gelegte
Landschaftskärtchen fruchtbarer und damit wertvoller zu machen. Spielziel ist
es, als erster über Ländereien mit einem Gesamtwert von 20 Fruchtbarkeitspunkten
zu verfügen.
Die Landschaftskärtchen
Auf den Landschaftskärtchen sind Pflanzen abgebildet. Diese stellen die
Landschaft in verschiedenen Entwicklungsstufen dar. Zusätzlich verdeutlicht
wird dies durch die abgebildeten weißen und roten Fruchtbarkeitspunkte.
Der weiße Punkt zeigt die erste Stufe der Entwicklung an: der karge Boden wurde
in fruchtbares Land verwandelt. Wenn man das Kärtchen umdreht, erkennt man, dass
ein zweiter, ein roter Punkt hinzugekommen ist. Die Landschaft ist nun höher
kultiviert. Landschaftskärtchen mit 3 bzw. 4 Punkten stellen noch höhere Stufen
der Entwicklung dar. Die roten Punkte geben zusätzlich das Einkommen pro Runde
an. Je rotem Punkt erhält man zu Beginn seines Spielzugs 5 Mana.
Ablauf eines Spielzuges
1. Man erhält Mana - entsprechend der Anzahl roter Fruchtbarkeitspunkte seiner
ausliegenden Landschaftskärtchen.
2. Bewässerungskarten ausspielen
Entweder man spielt 1 oder 2 Bewässerungskarten und legt entsprechend 1 oder 2
Landschaftskärtchen auf die entsprechenden Felder, oder man spielt
3. eine Kultivierungskarte und erhöht dadurch den Wert eigener
Landschaftskärtchen. Das kleinere Problem bei der Kultivierung ist, daß man
dafür das nötige Mana braucht; das größere, daß auf den Kultivierungskarten
immer eine bestimmte Landschaftsform vorgegeben ist. Weist eine
Kultivierungskarte z.B. vier quadratische Felder auf, die L-förmig angeordnet
sind, so kann sie nur dort eingesetzt werden, wo man zum einen mindestens vier
eigene Felder besitzt und diese, zum andern, so zusammenhängen, daß eine L-Form
komplett darüber passt. Am Ende eines Zuges darf nur eine Karte nachgezogen
werden- unabhängig davon, ob und wie viele Karten man während seines Zuges
abgegeben hat.
.
Die Landnahme
Wer eine Bewässerungskarte spielt, legt ein Landschaftskärtchen auf das
entsprechende Feld. Anschließend kann man versuchen, ein seitlich angrenzendes
Landschaftskärtchen eines Mitspielers zu übernehmen. Das geht ganz einfach. Man
teilt dem Angegriffenen mit: ,,Ich biete Dir 10 Mana für Dein erbärmliches Stück
Land. Der andere muß nun ein Gegenangebot machen, das um mindestens 5 Mana höher
liegt. Tut er das, dann kann das Spielchen munter weiter gehen. Jetzt kann der
Agressor wieder um 5 erhöhen. Völlig klar: Wer das höchste Gebot macht, erhält
das Land, der Unterlegene das Mana. - Man kann sich also durchaus mit Absicht
den Schneid und das Land abkaufen lassen, weil man später das Mehr an Mana für
einen eigenen großen Übernahmecoup gut brauchen kann.
Gemeiner wird es schon, wenn der Angreifer einen Trick anwendet, den wir in
folgendem Beispiel etwas näher beschreiben möchten:
Spieler Blau besitzt ein zusammenhängendes Gebiet mit insgesamt drei
aneinandergrenzenden Landschaftskärtchen. Er legt nun ein weiteres
Landschaftskärtchen, das gleichzeitig an dieses Gebiet und an ein aus zwei
Landschaftskärtchen bestehendes Gebiet von Spieler Rot angrenzt. Nun verkündet
Spieler Blau folgendes:
,,Ich greife Dich an, und zwar nicht nur mit dem Kärtchen, das ich gerade gelegt
habe, sondern ich hole mir noch Verstärkung aus meinem eigenen Dreiergebiet, zu
dem ich ja jetzt auch ,,Verbindung habe". Teuflischerweise darf Spieler Blau nun
wirklich jenes eigene Landschaftskärtchen zu Hilfe nehmen, an das sein eben neu
gelegtes angrenzt. Dieses zu Hilfe gerufene Landschaftskärtchen hat im übrigen
bereits die Fruchtbarkeitsstufe 3 erreicht.
Spieler Blau verkündet nun siegesgewiß: ,,Ich will beide (1) Landschaftskärtchen
von Rot übernehmen - und ich biete gleich mal 15 Mana." Das heißt: Wenn Rot
dieses Angebot nicht akzeptiert und für jedes seiner beiden Landschaftskärtchen
15 Mana kassiert, dann müsste er jetzt mit 20 Mana dagegenhalten. Das aber würde
für ihn bedeuten, daß er die beträchtliche Summe von 80 Mana locker machen
müsste. Worum? Nun, er müsste das gerade gelegte Kärtchen von Spieler Blau mit
20 Mana bezahlen, und da Blau auch sein großes, auf Fruchtbarkeitsstufe 3
stehendes Gebiet mit in die Waagschale geworfen, würde Rot, ob er will oder
nicht, auch dieses Gebiet miterwerben müssen. Und da dieses Gebiet auf Stufe 3
steht müssten dafür auch 3 x 20 Mana (für jede Fruchtbarkeitsstufe werden 20
Mana fällig) bezahlt werden. Das ist hart. - Sollte Spieler Rot aber gerade gut
bei Kasse sein, dann wird er vielleicht doch dagegen halten und tatsächlich 20
Mana bieten. Spieler Blau kostet das nur ein Lächeln. Er erhöht auf 25 Mana, und
wenn Rot jetzt hier noch drüber wollte, dann ginge das nur mit 30 Mana - und das
würde ihn dann insgesamt 120 Mana kosten. - Es ist wirklich ein Kreuz mit den
geschäftlichen Sitten in Eden.
Mit je mehr bzw. höherwertigen Landschaftskärtchen man angreift, desto
schwieriger wird es für den Gegner, sich zu wehren, denn das eigener Gebot wird
immer mit der Anzahl roter und weißer Fruchtbarkeitspunkte aller in die
Übernahmeverhandlungen involvierten Landschaftskärtchen multipliziert.
Gewiefte Taktiker werden da natürlich ganz genau aufpassen, welcher Spieler sich
mana-mäßig gerade stark verausgabt hat. Denn der wäre ein geradezu idealer
Kandidat für einen Übernahmeversuch. Zur Ehrenrettung aller Beteiligten muß auch
noch gesagt werden, daß man ohne eine kluge Übernahmepolitik im Garten Eden auf
keinen grünen Zweig kommt. Denn es geht ja nicht nur darum, möglichst viel Grund
und Boden zu besitzen, sondern die eigenen Landstücke sollten tunlichst auch so
,,gewachsen" sein, daß sie mit Hilfe der Kultivierungskarten zu möglichst großer
Fruchtbarkeit gelangen; schließlich bringt das die entscheidenden Punkte.